Orientierung – Ein Zusammenspiel der Sinne und des Gehirns

Damit wir die Orientierung nicht verlieren, sind wir auf das Zusammenspiel von Sinnesorganen und Gehirn angewiesen. Doch was passiert, wenn ein Sinn ausfällt?

Stock, trainierte Hunde und andere Methoden helfen Blinden bei der Orientierung

Bei sehbehinderten Menschen müssen andere Sinne wie Hören und Tasten das Augenlicht ersetzen. Stock, trainierte Hunde und andere Methoden helfen Blinden bei der Orientierung. Bild: Jeroen van den Broek/Shutterstock.com

Orientierung dank Sinnesorganen – unser Fenster zur Welt

Wo befinde ich mich gerade, und was geschieht in diesem Augenblick? Sinneseindrücke helfen unserem Körper, diese Fragen zu beantworten und die Orientierung zu behalten. Tag und Nacht empfangen wir fortlaufend haufenweise Reize und Stimulationen aus der Umwelt, die wir dank speziellen Nervenzellen – den Sinneszellen – wahrnehmen. Diese Informationen werden über Nervenbahnen ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. Wie dies genau geschieht, kannst du hier nachlesen. Durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten nehmen wir also unsere Umwelt war. Ausserdem hilft uns unser Gleichgewichtssinn zu erkennen, wo oben und unten ist, unseren Körper in Balance zu halten und Augen- und Kopfbewegungen zu kontrollieren.

Und wenn ein Sinn ausfällt?

Wir brauchen also unsere Sinne, um uns zu orientieren und unseren Körper sicher durch die Welt zu navigieren. Doch was passiert, wenn ein Sinn ausfällt, zum Beispiel der Sehsinn? Bei blinden Menschen müssen die anderen Sinne die Augen ersetzen. Gehör- und Tastsinn werden dann oft besonders sensibel und speziell gut trainiert. Ein Blindenstock hilft den Menschen, die Fläche vor ihnen abzutasten und Hindernisse zu erkennen. Auch haben manche Blinde speziell ausgebildete Blindenhunde, die ihnen den Alltag erleichtern. Und Blinde können sogar lernen, sich mit dem Echo von Geräuschen zu orientieren – ähnlich wie Fledermäuse.

Die Welt „erschnalzen“

Mit der Zunge schnalzend oder Klickgeräusche produzierend, laufen manche Blinde durch die Stadt. So senden sie Schallwellen aus, die von Häusern, Mauern und Autos zurückgeworfen werden. Man nennt dies „Echoortung“, denn je nach Hindernis klingt das produzierte Echo ein wenig anders. Das spezielle Echomuster verrät den Blinden, dass sich hier zum Beispiel eine enge Gasse oder ein grosser, freier Platz befindet. Sie können sich ihre Umgebung „erschnalzen“ und sich wie Sehende eine „innere Karte“ basteln, an der sie sich orientieren.

Orientierungsverlust bei Alzheimer-Patienten

Auch Menschen, die an einer Demenzerkrankung wie Alzheimer leiden, müssen mit Orientierungslosigkeit kämpfen. Das Verschwinden ihres Gedächtnisses und der Fähigkeit Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, beeinträchtigt auch ihre Fähigkeit, sich im Raum zu orientieren. Alzheimer-Patienten können sich keine neuen Wege merken, da sie sich nicht an neue Landmarken erinnern können. Neuere Studien haben gezeigt, dass sich Alzheimer-Patienten am besten zurecht finden, wenn das Pflegeheim ähnlich gebaut ist, wie die von ihrer Jugend her vertrauten Gebäude, da sie sich an weit zurückliegende Erlebnisse besser erinnern können. Moderne Bauten mit offenen Gemeinschaftsräumen oder mit Rundwegen sind verwirrend, da die Funktion der Räume gar nicht erkannt wird bzw. die Richtung des Wegs sich zu häufig ändert.

Insgesamt kann man also sagen, dass wir uns dank einem Zusammenspiel von Gehirn und Meldungen der Sinnesorgane in unserer Umgebung zurechtfinden. Arbeiten ein Sinn oder das Gehirn nicht mehr richtig, wird die Orientierung für uns schwieriger und wir brauchen Hilfe.

Mit Virtuspheren erforschen Wissenschaftler  unseren Orientierungssinn

Wie Hamsterräder für Menschen sehen die Kugeln (Virtuspheren genannt) aus, mit denen Wissenschaftler unseren Orientierungssinn erforschen. Bild: Paul Monday/Wikimedia, CC-Lizenz

Hamsterräder, virtuelle Welten und sich selbst orientierende Roboter

Um ältere, kranke oder behinderte Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen, wollen Forscher Roboter entwickeln, die die Welt möglichst gleich wahrnehmen wie wir. Wenn sich diese Maschinen selbständig orientieren könnten, wüssten sie nämlich, wo sie selbst und ihr Schützling sich gerade befinden - und könnten so besser einschätzen, ob Gefahr droht oder Hilfe benötigt wird. Wissenschaftler haben darum eine Art riesiges Hamsterrad entwickelt, um herauszufinden, wie die menschliche Orientierung im Gehirn organisiert ist. In diesem Hamsterrad – das eine grosse, in alle Richtungen drehbare Kunststoffkugel ist – laufen Testpersonen durch virtuelle Welten. Aufgesetzte Computerbrillen gaukeln ihnen zum Beispiel eine Wohnung mit verschiedenen Zimmern und Gängen vor, deren Anordnung zum Teil in der richtigen Welt physikalisch gar nicht möglich wäre. Die Testpersonen müssen bestimmte Aufgaben lösen, etwa den schnellsten Weg zu einem speziellen Bild finden. Ihr Vorgehen wird dabei von Wissenschaftlern beobachtet und analysiert. Wie das funktioniert, siehst du in diesem Clip. Vielleicht können wir mit dem so herausgefundenen Wissen irgendwann einmal einen sich selbst orientierenden Hilfsroboter bauen.

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