Was sind Biokunststoffe?

Biokunststoffe werden nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden biologischen Grundstoffen hergestellt, wie zum Beispiel aus Pflanzenmaterial.

Aus Mais kann man Bio-Kunststoffe herstellen

Aus Mais kann man nicht nur Popcorn, sondern auch Bio-Kunststoffe herstellen - hier eine Shampooflasche aus Bio-Flex. Dieses Material besteht hauptsächlich aus Polymilchsäure PLA. Bild: Shutterstock; Wikimedia Commons F. Kesselring, FKuR

Mehrere grosse Lebensmittelunternehmen setzen heute Verpackungen, zum Beispiel Jogurtbecher, aus so genanntem Biokunststoff ein. Mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent ist die thermoplastische Stärke der gebräuchlichste Biokunststoff. Thermoplastisch bedeutet, dass sich der Kunststoff in einem bestimmten Temperaturbereich formen lässt.

Zudem werden Polylactid (PLA) und Polyhydroxyfettsäuren (PHF) eingesetzt. PLA entsteht, indem man aus Milchsäure grosse, langkettige Polymere synthetisiert. Die dafür benötigte Milchsäure wird durch Fermentation von Zucker und Stärke gewonnen. Rohstoffe dafür sind meist Nahrungsmittelpflanzen wie Mais oder Weizen. Ähnlich bei PHF: Bakterien oder Pilze produzieren aus Stärke thermoplastische Polyester, dies in mehreren Schritten und über biochemische Reaktionen.

Bald Jogurtbecher aus Pflanzenabfällen?

Viele Firmen erhoffen sich durch den Einsatz von Biokunststoffen, die negativen Umweltauswirkungen von Verpackungen reduzieren zu können. Zwar sind Biokunststoffe biologisch abbaubar und belasten das Klima weniger als solche aus herkömmlichem Kunststoff, doch bislang ist die Gesamt-Ökobilanz in den meisten Fällen noch negativ. Denn die Pflanzen, die als Rohstoff für den Biokunststoff eingesetzt werden, müssen bewässert, gedüngt und mit Pestiziden behandelt werden. All das wirkt sich auf die Luft-, Wasser- und Bodenbelastung negativ aus. Ausserdem stehen die eingesetzten Rohstoffe wie Mais oder Weizen nicht mehr als Nahrungsmittel zur Verfügung.

Abhilfe könnten Biokunststoffe der dritten Generation schaffen. Darunter verstehen Forscher Kunststoffe auf der Basis von natürlichen Stoffen, die gegenwärtig keine Verwendung finden, zum Beispiel aus Abfällen oder Algenkulturen. Weit fortgeschritten sind Arbeiten mit Lignin und Zellulose. Lignin fällt als Nebenprodukt bei der Papierherstellung an. Zellulose, das häufigste natürliche Polymer überhaupt, wird aus Pflanzenabfällen gewonnen. Bis wir aber Jogurt aus solchen Bechern essen, dürften noch einige Jahren vergehen.

Text: SATW /Samuel Schläfli

Quelle: Technoscope 2/12: Verpackungen

Technoscopeist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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