Erster Nachweis des Fadenwurms Onchocerca jakutensis beim Rothirsch in der Schweiz

Eine Maturaarbeit über Fadenwürmer? Die kann durchaus spannend sein, wie Felix Bosch hier beschreibt. Mit seiner Arbeit gewann er einen Preis bei Schweizer Jugend forscht und durfte nach Stockholm an ein Wissenschaftsseminar reisen und an der Feier zur Nobelpreisverleihung 2015 teilnehmen!

Rothirsch (Bild: CanStockPhoto)

In meiner Maturaarbeit beschäftigte ich mich mit dem Nachweis von Parasiten beim Rothirsch. Der Hirsch war 1850 in der Schweiz praktisch ausgerottet. Seither hat sich die Population stark verbreitet.

Ein ausgewachsener Fadenwurm – entwirrt und auf einer Wachsplatte ausgesteckt. Bild: Felix Bosch

Hirsche beherbergen verschiedene Parasiten, unter anderem sind in Europa vier Filarienarten der Gattung Onchocerca bekannt. Die insgesamt rund 27 Arten von Onchocerca (Kl. Nematoden) können eine von Mücken übertragene parasitische Krankheit, die sogenannte Onchocercosis, verursachen. In fast allen europäischen Staaten, ausser in der Schweiz, wurden diese Parasiten beim Rothirsch (Cervus elaphus) nachgewiesen. Aufgrund dieser Tatsache wurde die Hypothese aufgestellt, dass eine oder mehrere Onchocerca-Arten bei Rothirsch, Reh und Gämse in Graubünden vorkommen. Ziel der Arbeit war es, herauszufinden ob sie von Onchocerca befallen sind, um welche Art von Onchocercaes sich handelt und welche Wildtiere wie stark betroffen sind.

Fadenwurm-Weibchen, lichtmikroskopische Aufnahme. Bild: Felix Bosch

Um diese Fadenwürmer beim Rothirsch nachzuweisen, habe ich während der Jagdsaison im Herbst 2013 Hautproben von 32 Tieren in den Metzgereien entnommen. Nach morphologischen und biochemischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass rund 26% der Hirsche von diesem Parasiten befallen sind und dass dies der erste Nachweis von diesem Fadenwurm beim Rothirsch in der Schweiz ist!

Nachdem ich die Maturaarbeit erfolgreich abgeschlossen hatte, durfte ich meine Arbeit in Bern bei „Schweizer Jugend forscht“ präsentieren. An diesem Workshop lernte man viele andere Jugendliche kennen, die tolle und erstaunliche Arbeiten gemacht haben. Dort wurde mir auch ein Experte in Parasitologie zugewiesen, der mir half, meiner Arbeit den letzten Schliff für den Nationalen Wettbewerb von „Schweizer Jugend forscht“ zu geben. Dieser fand in Davos vom 30. April bis 2. Mai 2015 statt. Doch schon vor dem Final in Davos hatte ich allerhand mit meiner Arbeit zu tun. So gewann ich den Förderpreis der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens und durfte einen Vortrag im Naturmuseum über meine Fadenwürmer halten. Besonders toll war es, dass sich das Tagblatt für mich interessierte und ein grosser Bericht in der Zeitung erschien.

Fadenwurm-Männchen, Schwanzspitze in elektronenmikroskopischer Aufnahme. Bild: Felix Bosch

Der Nationale Wettbewerb in Davos war ein besonderes Ereignis, da man mit vielen Fachleuten über seine Arbeit sprechen konnte. Es waren drei sehr intensive Tage mit gutem Essen. An der Schlussfeier im Kongresszentrum in Davos wurde meine Arbeit mit „hervorragend“ bewertet und ich gewann den Sonderpreis: „Stockholm International Youth Science Seminar 2015“. Dies war die einwöchige Teilnahme im letzten Dezember an einem internationalen Wissenschaftsseminar mit Einladung zur Nobelpreisverleihung. In dieser Woche präsentierten ich und 24 weitere Jugendliche aus der ganzen Welt unsere Projekte 1500 schwedischen Gymnasiasten. Der Höhepunkt in Stockholm war für mich ein Treffen mit den diesjährigen Nobelpreisträgern! Toll war auch, dass die „Schweiz am Sonntag“ einen Bericht über meine Erlebnisse in Stockholm verfasste.

Als ich zurück in der Schweiz war, widmete ich mich zusammen mit der Universität Zürich der Publikation meiner Arbeit für ein wissenschaftliches Journal, wobei mich SimplyScience grosszügig bei den Publikationskosten unterstützt.

Quelle: Felix Bosch

Durchschnittliche Bewertung:
  •  
(0 Bewertungen)

Was sagst Du dazu?

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare erhalten.