Der Milchkarton: Mehr als nur schöne Hülle

Dass wir Milch heute problemlos mehrere Wochen aufbewahren können, ist auch den technologischen Fortschritten in der Verpackungsindustrie zu verdanken. Verpackungen müssen Lebensmittel aber nicht nur schützen, sondern vielen weiteren Ansprüchen genügen.

Der Milchkarton hat vielerorts die Flasche als Verpackung ersetzt. Bild: CanStockPhoto

Würden auf einmal sämtliche Verpackungsmaschinen dieser Erde aussteigen, so müssten wir Milch wohl wieder mit einer Blechkanne beim Bauern holen. Das wäre mühsam, denn wir könnten immer nur gerade so viel einkaufen, wie wir für einen kurzen Zeitraum benötigten. Ein Leben ohne moderne Verpackungen, wie wir sie Tag für Tag in den Händen halten, ist heute fast nicht mehr denkbar.

Schutz vor Licht, Gas, Fremdgerüchen und Mikroben

Schichten einer Milchverpackung

Ein Milchkarton besteht aus mehreren Schichten mit verschiedenen Funktionen. Der Karton sorgt für Stabilität, Polyethylen schützt den Karton für Feuchtigkeit, und Aluminium schützt die Milch vor Licht und Sauerstoff. Bild: SATW

Am Milchkarton lässt sich gut zeigen, welche Funktionen Verpackungen heute alles übernehmen müssen. Ein Milchkarton ist ein Verbundmaterial und besteht typischerweise aus rund 75 Prozent Karton, 21 Prozent Polyethylen und vier Prozent Aluminium. Die äussere Kartonhülle sorgt für Stabilität und schützt die Milch vor Licht. Der Kunststoff ist dafür verantwortlich, dass der Karton nicht von Flüssigkeit aufgeweicht wird und das Aluminium schützt den Inhalt vor Licht sowie vor Sauerstoff. Dadurch bleiben wertvolle Bestandteile wie Vitamine erhalten. Mit einem solchen Verbundmaterial ist die Milch bestens gegen Licht, Gase, Fremdgerüche und Mikroben geschützt. Firmen, die mehrere tausend Liter Milch pro Tag verarbeiten, beziehen das Verbundmaterial auf riesigen Rollen. Bevor die Milchkartons gefaltet und befüllt werden, werden sie durch ein Wasserstoffperoxydbad gezogen, wodurch sämtliche Keime auf der Oberfläche abgetötet werden – so werden sie aseptisch. Das Verbundmaterial wird anschliessend von Maschinen automatisch «backsteinförmig » geformt und verklebt. Mit einem sterilen Heissluftstrom werden Reste des Wasserstoffperoxyds verdampft und die unsterile Luft aus der Verpackung geblasen. Erst dann wird die ultrahocherhitzte Milch in die Kartons gespritzt. Nach dem Verschliessen ist der Inhalt ist für mindestens sechs Monate ohne Kühlung haltbar.

Logistische Vorteile und gute Werbeträger

Die Milchkartons haben auch logistische Vorteile: Auf einer Holzpalette haben fast doppelt so viele 1-Liter-Kartons Platz wie 1-Liter-Glasflaschen. Die Kartons sind leichter, einfacher stapelbar und fällt mal einer zu Boden, so zerbricht er nicht gleich. Und auch für den Detailhandel haben die Kartons Vorteile: Sie sparen Platz in den Regalen, müssen weniger oft aufgefüllt werden und verringern dadurch den Personalaufwand. Moderne Verpackungen müssen sich auch einfach bedrucken lassen. Denn der Aufdruck übernimmt eine wichtige Funktion: Texte und Bilder sollen den Konsumenten zum Kauf des Produkts animieren und ihn über das Produkt informieren. Studien haben gezeigt, dass die meisten Kaufentscheide emotional und spontan gefällt werden. Dabei spielt die Verpackung eine entscheidende Rolle. Der Käufer muss auf den ersten Blick erkennen, was sich im Karton befindet und gleichzeitig davon überzeugt werden, dass ihm das Produkt einen Vorteil bringt.

Schweizer Erfindung: Die aseptische Milchverpackung

Damit ultrahocherhitzte, keimfreie Milch mehrere Monate lang haltbar bleibt, muss sie unter sterilen Bedingungen in eine sterile Verpackung abgefüllt werden. Der Durchbruch gelang in den 50er-Jahren mehreren Schweizer Forschungsgruppen und dem schwedischen Verpackungsunternehmen Tetra Pak. Gemeinsam entwickelten sie ein Verfahren für die aseptische Milchverpackung und 1961 wurde in der Schweiz die erste aseptische Milchabfüllanlage der Welt in Betrieb genommen. Die Technologie hat sich seither in den meisten europäischen Ländern durchgesetzt.

Quelle: Technoscope 2/12: Verpackungen. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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