Chromosom 23: Die Geschlechtschromosomen

Die Geschlechtschromosomen bestimmen, ob der Embryo zu einem Mädchen oder zu einem Jungen wird. Bild: CanStockPhoto

Was macht den Mann zum Mann und die Frau zur Frau?

Der Embryo, der sich aus der befruchteten Eizelle entwickelt, hat am Anfang nur wenige Zellen. Nach fünf Wochen sind bereits alle Körperteile da, man sieht Augen, Herz und Lungen. Ganze zwei Monate lang sind die Geschlechtsorgane des kleinen Babys allerdings so angelegt, dass sich noch ein Penis und Hoden entwickeln können ODER eine Vagina und Eierstöcke!

Welche Entwicklung stattfindet, hängt natürlich davon ab, ob in den Zellen des Embryos ein Y-Chromosom vorhanden ist. Mit einem Y- und einem X-Chromosom wird der Embryo zu einem Jungen, mit zwei X-Chromosomen zu einem Mädchen.

SRY, Geschlechtsbestimmende Region des Y- Chromosom

Wahrscheinlich ist nur ein kleiner Teil auf dem Y-Chromosom für die Bestimmung des männlichen Geschlechts zuständig. Besonders wichtig ist das Gen Sry. Sry steht für "Geschlechtsbestimmende Region des Y-Chromosoms". Interessanterweise entwickeln sich bei Abwesenheit von Sry automatisch die Geschlechtsorgane eines Mädchens!

Nur durch die Aktivität des Sry-Gens können sich die männlichen Geschlechtsorgane entwickeln. Insgesamt gibt es auf dem Y-Chromosom nur wenige Gene, aber eben entscheidende. Einige Gene auf dem Y-Chromosom beeinflussen das Wachstum. Darum sind Männer im Durchschnitt grösser als Frauen.

Verschiedene Systeme bei Tieren

Nicht bei allen Tieren wird das Geschlecht auf dieselbe Weise bestimmt wie beim Menschen. Bei Vögeln, einigen Fischen und einigen Insekten wie etwa den Schmetterlingen gibt es noch ein anderes System. Hier ist nicht entscheidend, ob das Spermium ein geschlechtsbestimmendes Chromosom mitbringt, sondern es kommt darauf an, was im Ei ist. (Das menschliche Ei enthält immer ein X-Chromosom von der Mutter, das Spermium kann jedoch entweder ein X- oder Y-Chromosom enthalten.)

Bei Bienen und Ameisen gibt es überhaupt keine Geschlechts-Chromsomen. Männchen entwickeln sich aus den unbefruchteten Eizellen. In ihren Zellen haben sie daher nur halb so viele Chromosomen wie die Weibchen!

Andere Insekten, z. B. die Heuschrecken, haben kein Y-Chromosom. Individuen mit einem X-Chromosom sind Männchen, solche mit zwei X-Chromosomen Weibchen. Die Männchen haben also ein Chromosom weniger als die Weibchen.

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Dieser Inhalt stammt von der ehemaligen Website gene-abc.ch, die im Jahr 2016 in die Website SimplyScience.ch integriert wurde. Das Gene ABC war eine Initiative des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) und wird seit 2016 von der SimplyScience Stiftung weitergeführt.