Chromosom 7: Der Appetitzügler

Satt, obwohl noch die halbe Pizza übrig ist? Dafür ist unter anderem das Hormon Leptin verantwortlich. Bild: CanStockPhoto

Auch wenn Spaghetti sehr lecker sind: Irgendwann einmal ist der grösste Heisshunger gestillt und man kann nicht noch mehr essen. Für das Sättigungsgefühl ist unter anderem das LEP-Gen verantwortlich, das für das Hormon Leptin codiert. Leptin wird hauptsächlich in Fettzellen produziert. Labormäuse mit einem defekten Leptin-Gen werden rasch übergewichtig, weil ihr Hungergefühl nie beruhigt wird. Beim Menschen ist dieser Zusammenhang nicht ganz so einfach. Aber man weiss heute, dass es auch dem Leptin zu verdanken ist, wenn Menschen ein konstantes Körpergewicht halten können, ohne dem besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Statistik besagt allerdings, dass der Appetitzügler-Mechanismus bei einer wachsenden Zahl von Menschen nicht mehr richtig funktioniert. In den Industrienationen nimmt der Anteil übergewichtiger Menschen kontinuierlich zu. Um dieser Erscheinung entgegenzuwirken, hat man versucht, Leptin als Medikament einzusetzen, weil man annahm, dass eine höhere Konzentration des Hormons Leptin im Blut zu einem schneller eintretenden Sättigungsgefühl führen würde. Personen, welche Leptin verabreicht bekommen, wären also schneller satt und würden weniger essen. Nachdem der Einsatz von Leptin als Medikament erfolglos blieb, fand man heraus, dass Menschen mit einem geringen Sättigungsgefühl bereits hohe Konzentrationen des Hormons Leptin im Blut aufweisen. Bei solchen Personen ist somit kein Mangel an Leptin vorhanden, sondern eine Resistenz – ihr Körper reagiert also nicht auf das Hormon. Im Gehirn dieser Menschen kommt es möglicherweise zu einer Art Abstumpfung gegenüber Leptin, so dass sich ihr Appetit viel schwerer bremsen lässt.

Dieser Beitrag integriert Inhalte von der ehemaligen Website gene-abc.ch, die im Jahr 2016 von SimplyScience übernommen wurde. Das Gene ABC war eine Initiative des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) und umfasste auch eine Reihe von YouTube-Videos.