Die vollautomatische U-Bahn von Lausanne

Steil und hügelig ist die Stadt Lausanne, also keine einfache Topografie für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Man entschied sich für eine unterirdische und vollautomatische Bahn.

Steile Plattform der U-Bahn in Lausanne

Die U-Bahn von Lausanne fährt durch steiles Gelände. Entsprechend steil sind die Plattformen. Bild: Spsmiler/Wikimedia

In Lausanne hat die Zukunft der Mobilität bereits begonnen, denn seit dem 27. Oktober letzten Jahres ist die m2 – abgekürzt für Métro 2 – in Betrieb. Sie fährt vom Ufer des Lac Léman über den SBB-Bahnhof und das Stadtzentrum hinauf auf die Hügel von Lausanne. Auf der Strecke von knapp sechs Kilometern überwindet sie 338 Höhenmeter. 90 Prozent der Strecke verläuft unterirdisch. Somit ist die m2 eine richtige U-Bahn – übrigens die einzige in der Schweiz. Warum hat sich Lausanne für eine U-Bahn entschieden? "Wir brauchten eine neue Nord-Süd-Achse für den öffentlichen Verkehr. Lausanne ist aber steil und hügelig und die Strassen bieten wenig Platz. So entstand die Idee einer U-Bahn", erklärt der Projektleiter der m2, Marc Badoux, die Gründe für den Bau der m2. "Mit der m2 haben wir ein eigenes und direktes Trassee".

Die Métro-Linie m2 in Lausanne

Die Métro-Linie m2 in Lausanne. Bild: Gab01/Wikimedia

Mit Pneus den Berg hoch

Damit die m2 auch bei einer Steigung von 12 Prozent nicht ins Rutschen kommt, haben die Zugskomponenten Gummipneu an den Rädern. Zahnräder oder ein Seil, wie dies andere steile Bahnen haben, braucht sie hingegen nicht. Zudem werden die oberirdischen 10 Prozent der Strecke im Winter beheizt – kein Glatteis hindert die m2 beim Vorwärtskommen.

Die unterirdische Streckenführung alleine macht die m2 jedoch noch nicht zu einem zukunftsweisenden Fortbewegungsmittel. Sie fährt auch vollautomatisch. Da sitzt kein Fahrer, keine Fahrerin im Steuerstand. Die Züge werden aus einer Leitzentrale überwacht und gesteuert. "Für U-Bahnen, die ein eigenes Trassee haben, ist das die Zukunft", meint Marc Badoux. "Punkto Sicherheit haben sich die vollautomatischen Systeme bewährt und sie sind sehr flexibel. Haben wir beispielsweise wegen eines Sportanlasses einen Ansturm, können wir sehr schnell zusätzliche Züge einsetzen." Ohne Menschen funktioniert die m2 allerdings nicht. "Wir haben Mitarbeitende an allen Stationen. Diese helfen Passagieren und können bei technischen Problemen
sofort eingreifen."

Dank dem vollautomatischen Betrieb kann die m2 während den Stosszeiten im 3-Minuten-Takt fahren und eine beachtliche Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 km/h erreichen. Das tönt nach wenig – zum Beispiel im Vergleich zu Hochgeschwindigkeitszügen. Für den Stadtverkehr ist das aber ein guter Durchschnitt, vor allem wenn man daran denkt, wie steil Lausanne ist.

Grosse Baustelle mitten in der Stadt

Gebaut wurde an der m2 während insgesamt viereinhalb Jahren. Spatenstich war im Frühling 2004. Anfang 2006 ging die Zahnradbahn "la Ficelle" nach fast 130 Jahren ausser Betrieb. Die Bahn führte bis vom Seeufer hoch ins Zentrum der Stadt. Die m2 ersetzt sie und benutzt auch deren Tunnels. Der Bau der m2 gestaltete sich sehr herausfordernd. "Wir hatten eine sehr grosse Baustelle mitten in der Stadt", so Marc Badoux. Man schuf nahe der Oberfläche eine komplett neue Infrastruktur. Die Bauarbeiten durften die bestehenden Gebäude und Strassen aber nicht gefährden.

In Zukunft auch ein Tram für Lausanne

Im ersten Halbjahr hat die m2 zehn Millionen Passagiere befördert. Das sind mehr als 70'000 pro Tag. Nicht wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass die Stadt Lausanne rund 120'000 zählt, mit der Agglomeration rund 250'000. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs geht in Lausanne weiter. Trolleybuslinien, die heute schon zwei Drittel der jährlichen Passagierkilometer zurücklegen, werden verstärkt. Zudem soll auf der Ost-West-Achse eine m3 entstehen. Da es indiese Richtung viel weniger steil ist als von Norden nach Süden, muss nicht unterirdisch gebaut werden. Man will ein oberirdisches Verkehrsmittel setzen, das es früher bereits schon gab – Lausanne bekommt ein klassisches Tram.

Quelle: Technoscope 2/09: Die Mobilität von morgen. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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