Wie fängt man ein Gas ein – und transportiert es von A nach B?

Abfüllen und einpacken – das ist bei einem Gas gar nicht so einfach. Schliesslich kann man es nicht sehen, geschweige denn anfassen. Und wenn es sich einmal in einem Behälter befindet, würde es sich am liebsten durch das kleinste Loch wieder davonmachen, was manchmal nicht ganz ungefährlich ist. Transport und Lagerung von Gasen sind deshalb nur unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen möglich.

Gasflaschen mit Manometer

Viele Gase, wie dieses Acetylen zum Schweissen, werden in Flaschen aufbewahrt. Ein Blick auf die Druckanzeige am Ventil zeigt, wie viel Gas noch vorhanden ist bzw. mit welchem Druck es ausströmt. Bild: CanStockPhoto

Gas ist – meistens – unsichtbar und nicht mit den Händen zu greifen. Die zahlreichen gasförmigen Stoffe in der Luft können wir deshalb von Auge nicht unterscheiden, und die Handhabung von Gasen ist gar nicht so einfach. Erdgas zum Heizen und Kochen, Gasflaschen für den mobilen Gaskocher und Atemgas für den Tauchgang sind jedoch Beispiele von Gasen, die wir – mit etwas Vorsicht – auch im Alltag nutzen können.

Vom Meeresboden in den Haushalt …

Erdgas kommt zusammen mit Erdöl an verschiedenen Orten in unterirdischen Lagerstätten vor. Wird es auf hoher See gefördert und kann nicht direkt in eine Pipeline eingespeist werden, muss es per Schiff transportiert werden. Dies ist nur möglich, wenn das Gas so sehr zusammengedrückt wird, dass es überhaupt Platz in dem beschränkten Laderaum eines Tankers findet: Das heisst, das Gas wird verflüssigt. Dazu muss es auf -162°C heruntergekühlt werden! Auf diese Weise beansprucht nur noch 1/600 seines ursprünglichen Volumens im Gaszustand.

Verlegung einer Gaspipeline in Deutschland

Verlegung einer Gaspipeline in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland. Bild: Niteshift/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Ist das verflüssigte Gas sicher im Zielhafen angekommen, wird es in ein riesiges Netz von Pipelines eingespeist, ein Röhrensystem, in dem es direkt bis zu jedem einzelnen angeschlossenen Haushalt gelangt. Der Druck des Gases kann an den sogenannten Verdichter-Stationen reguliert werden und beeinflusst die Geschwindigkeit, also das Vordringen des Gases in den Röhren. Soll also das Tempo des Gastransports in der Pipeline reguliert werden, kann der Druck alle 100 bis 200 km angepasst werden.

… oder in eine Flasche

Gasanschlüsse im Haushalt werden normalerweise nur von Fachleuten installiert und geprüft, doch wer zum Beispiel einen Gasgrill besitzt, muss selbst mit Gasflaschen umgehen können. Das Gas darin steht unter grossem Druck, die Behälter müssen deshalb sehr stabil sein. Gefährlich wird es, wenn eine Gasflasche erhitzt wird, denn dann kann sich das Gas darin sich so stark ausdehnen, dass die Flasche dem steigenden Gasdruck nicht standhält und explodiert. Auch bei Normaltemperaturen behandelt man eine volle Gasflasche lieber vorsichtig. Besonders das Ventil – der schwächste Punkt des Behälters – muss vor Beschädigung geschützt sein: Das unter Druck stehende Gas würde blitzschnell aus dem Loch entweichen und eine gewaltige Schubkraft bewirken. Stell dir vor, was ein schwerer, metallener Gasbehälter anrichtet, wenn er plötzlich einen solchen Raketenantrieb bekommt!

Mit Ketten gesicherte Gasflaschen

Grosse Gasflaschen für den industriellen Gebrauch, die mit Ketten gegen das Umstürzen gesichert sind. Bild: CanStockPhoto

Ausserdem gibt es natürlich Gase, die gesundheitsgefährdend, leicht entzündlich oder gar explosiv sind – diese möchte man sowieso unter keinen Umständen aus dem verschlossenen Behälter entweichen lassen.

Wenn man sich diese Punkte vor Augen hält, sind die Sicherheitsvorkehrungen für den Transport und die Lagerung von Gasflaschen aber eigentlich ganz logisch:

  • Beim Transport einer Gasflasche im Privatauto ist es am sichersten, sie hinter den Beifahrersitz zu stellen oder auf einer offenen Ladefläche zu transportieren (in beiden Fällen natürlich mit Gurten oder Seilen gut befestigt). Eine gute Belüftung ist wichtig – als Schutz vor Überhitzung, aber auch für den Fall, dass ein Ventil leck ist …

  • Gelagert werden Gasflaschen am besten aufrecht und wiederum mit Gurten, Ketten oder Seilen gesichert. Der Ort sollte normale Raumtemperatur haben, gut belüftet sein und auf keinen Fall in der Nähe einer Heiz- oder Feuerquelle liegen.

Knacknüsse für die Logistik

Was für Privatleute gilt, gilt auch für die Industrie: Gase in Druckbehältern sind international als „Gefahrgüter“ klassifiziert, und entsprechend sorgfältig muss man mit ihnen umgehen. Für Kennzeichnung und Transport von Gefahrgütern gibt es strenge Regeln, die von der UNO in einer Liste mit Nummern und Gefahrenklassen definiert werden: „Verdichteter Stickstoff“ beispielsweise hat die Kennzeichnung UN 1066 und Gefahrenklasse 2.

In dicht besiedelten Ländern wie der Schweiz kommt es immer öfter zu Konflikten, wenn sich Wohngebiete ausdehnen und näher an die grossen Verkehrsverbindungen (z. B. Bahnlinien) heranwachsen, auf denen unter anderem Gefahrgüter transportiert werden. Einerseits muss die Sicherheit der Anwohner gewährleistet sein, andrerseits gibt es aber oft kaum Ausweichsrouten, auf denen Rohstoffe oder Produkte zu einer Fabrik oder von ihr weg transportiert werden könnten.

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