Tiere & Pflanzen

Die vier Mägen der Kuh

Wiederkäuende Kuh. Bild: CanStockPhoto

Hast du schon mal beobachtet, wie Kühe manchmal auf der Wiese liegen und gemütlich Kaugummi kauen? Natürlich kauen sie nicht Kaugummi, sondern ihr Futter. Und sie machen das nicht aus Langeweile, sondern damit das Futter gut verdaut wird.

Eine Kuh hat vier Mägen:

Die vier Mägen der Kuh. Lila Pfeil: Das Futter wird geschluckt und gelangt in den Pansen. Von dort geht der Futterbrei in den Netzmagen. Roter Pfeil: Von dort wird das Futter hochgewürgt und wiedergekäut. Blauer Pfeil: Das wiedergekäute Futter wird geschluckt und gelangt in den Blättermagen. Schwarzer Pfeil: Das Futter geht in den Labmagen und dann weiter in den Darm. Bild: angepasst nach CanStockPhoto

1. Der Pansen

Wenn die Kuh frisst, schluckt sie das Gras oder Heu hinunter, ohne es vollständig zu zerkauen. Das Futter gelangt zuerst in den ersten Magen, den Pansen. Im Pansen haben bis zu 180 Liter Flüssigkeit Platz. Das ist etwa so viel, wie eine Badewanne voll! Im Pansen leben jede Menge Bakterien. Für die Bakterien ist das Gras oder Heu, das die Kuh hinuntergeschluckt hat, ein Festessen. Sie bauen es ab, um sich selbst zu ernähren. Man nennt dies Gärung. Bei der Gärung entstehen neue Stoffe, Nährstoffe, die die Kuh braucht. Ausserdem entsteht dabei Gas, das die Kuh aufstösst.

2. Der Netzmagen

Vom Pansen gelangt das Futter in den Netzmagen. Er wirkt wie ein Sieb. Futter, das noch zu grob ist, geht zurück ins Maul und wird nun richtig gekaut. Du hast sicher schon Kühe gesehen, die gemütlich auf der Wiese liegen und kauen. Dabei produzieren sie viel Speichel, bis zu 200 Liter am Tag. Der Speichel sorgt dafür, dass der Pansen nicht zu sauer wird. Ist das Futter ausreichend zerkleinert und von den Bakterien zersetzt, geht es weiter in den Blättermagen.

3. Der Blättermagen

Hier werden Wasser und einige Nährstoffe aus dem Futterbrei ausgedrückt.

4. Der Labmagen

Und zuletzt gelangt der Futterbrei in den Labmagen. Im Labmagen gibt es Magensäure, genau wie in unserem Magen. Bakterien, die aus dem Pansen mitgewandert sind, werden hier verdaut und weitere Nährstoffe gewonnen.

Danach folgen der Dünndarm und der Dickdarm, in denen Wasser und Nährstoffe entzogen werden. Und am Schluss kommt der Kuhfladen raus.

Wenn die Bakterien im Pansen das Futter zersetzen, entsteht Gas. Und zwar sehr viel: Eine Kuh stösst bis zu 600 Liter Gas pro Tag auf. Das ist soviel wie 240 aufgeblasene Luftballons!

Da kann man sich gut vorstellen, dass es sehr gefährlich für die Kuh wird, wenn sie mal nicht aufstossen kann. Das kann passieren, wenn zum Beispiel ein Apfel in der Speiseröhre stecken bleibt. Oder wenn die Kuh das falsche Futter bekommt; dann bilden sich viele kleine Bläschen, die die Kuh nicht aufstossen kann.

Die Kuh kann sich dann innerhalb von wenigen Stunden wie ein Ballon aufblähen. Sie kann immer schlechter atmen und kann innerhalb von Minuten sterben. Der Tierarzt muss sofort kommen. Er führt mit einem Schlauch, den er durch das Maul und die Speiseröhre führt, bestimmte Flüssigkeiten ein, die die Bläschen zum Platzen bringen. So entsteht eine grosse Blase, die die Kuh aufstossen kann. Wenn es ganz schlimm ist, muss der Pansen aufgeschnitten werden.

Schlauch zum Entnehmen von Pansenflüssigkeit. Bild im Rahmen der Junior VetSchool entstanden.

Erstellt: 05.11.2021
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