Tiere & Pflanzen

Tierisches Versteckspiel

Seepferdchen mit Anhängen an den Flossen, die wie die Wasserpflanzen im Hintergrund aussehen

Zur gleichen Familie wie die bekannten Seepferdchen gehört dieser Grosse Fetzenfisch. Seine Tarnung macht ihn zwischen den Wasserpflanzen beinahe unsichtbar. Bild: Derek Ramsey/Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5

Je besser die Tarnung, desto kleiner ist das Risiko, von Fressfeinden entdeckt zu werden: Dieses Gesetz der Natur erklärt, warum viele Tiere so perfekt mit ihrer Umgebung zu verschmelzen scheinen. Auch  Raubtieren bringt es Vorteile, möglichst gut getarnt zu sein, wenn sie vorbeikommenden Beutetieren auflauern.

Die Nahrungskette

Illustration einer Nahrungskette

Diese Illustration gibt einen Überblick darüber, wer wen frisst – an Land und im Wasser. Bild: LadyofHats/Wikimedia Commons

In der Natur ist jeder Organismus Teil einer Nahrungskette. Am Anfang stehen die Pflanzen. Sie benötigen zum Wachsen Wasser, CO2 und Mineralien und dienen pflanzenfressenden Tieren als Nahrung. Diese wiederum werden von Fleischfressern gefressen.

Tarnung als Schutz

Kopf eines Chamäleons

Das Chamäleon ist ein Meister der Tarnung! Bild: Jean-Louis Vandevivère/Wikimedia commons

Besonders die kleineren Pflanzenfresser haben wenige Möglichkeiten, sich gegen die Tiere zu verteidigen, von denen sie gejagt werden. Für die meisten Arten ist die beste Überlebensstrategie, entweder zu fliehen oder sich zu verstecken. Tieren mit ausgeklügelten Tarnungen gelingt es besonders gut, in ihren Verstecken nicht entdeckt zu werden. Das Chamäleon beispielsweise trägt nicht einfach eine Farbe, die in seiner Umgebung besonders oft vorkommt; nein, es kann mit Hilfe von Pigmenten in seiner Haut rötliche, blaue, braune und grüne Flecken erscheinen lassen – je nachdem, auf was für einem Untergrund es sich befindet. Dadurch wird es in seiner Umgebung fast unsichtbar.

Überraschung!

Schmetterling mit grossen Augenflecken

Dieser Schmetterling erschreckt seine Fressfeinde mit „Eulenaugen“ auf den Flügeln. Bild: Didier Descouens/Wikimedia Commons

Andere Tiere tragen eine „Verkleidung“ und sorgen damit für einen Überraschungseffekt. Mit ihrer Farbe oder Form täuschen sie beispielsweise vor, selbst ein Raubtier zu sein. So haben sich bei verschiedenen Fischen, Insekten, Vögeln und Säugetieren unabhängig voneinander sogenannte Augenflecken entwickelt. Ein besonders schönes Beispiel sind die südamerikanischen Bananenfalter. Sie tragen auf jedem Flügel einen Fleck, der dem Auge eines Nachtvogels zum Verwechseln ähnelt. Wenn dem Schmetterling Gefahr droht, sich also zum Beispiel ein Vogel nähert, breitet er seine Flügel aus und präsentiert dem Räuber zwei runde Augen wie die einer Eule. Der kurze Schreckmoment des Vogels hilft dem Falter, sich aus dem Staub zu machen!

Sichtbare Evolution

Eine helle und eine dunkle Variante des Birkenspanners

In einer Umgebung, in der helle Birkenspanner öfter gefressen werden, kommt die dunkle Variante häufiger vor. Bilder: Olaf Leillinger/Wikimedia Commons, oben und unten)

Ein Merkmal, das die Tarnung verbessert, tritt mit der Zeit in einer Gruppe von Tieren immer häufiger auf. Denn die Tiere mit diesem Merkmal haben grössere Chancen zu überleben, während die anderen oft sterben, bevor sie sich fortpflanzen können. Dies konnte beim Birkenspanner, einer Nachtfalterart, direkt beobachtet werden. Der Birkenspanner ist ein heller Schmetterling mit dunkler Zeichnung, die ihn auf Birkenrinde hervorragend tarnt. Ab den 1850er Jahren wurde in England jedoch Kohle zum Hauptbrennstoff in den neu entstandenen Fabriken, und der schwarze Rauch und Russ verschmutzte die Luft und färbte die Stämme der Birken dunkel. Unter den Birkenspannern wurde nun eine schwarze Variante immer häufiger, die auf den russgeschwärzten Stämmen praktisch unsichtbar war. Ab den 1900er Jahren wurde weniger Kohle verwendet, und die Bäume erhielten ihre natürliche Farbe zurück. Schwarze Birkenspanner wurden jetzt zu einer leichten Beute, während die vorher benachteiligten grauen und weissen Birkenspanner häufiger überlebten. Sie wurden seltener gefressen und hatten mehr Nachkommen. So änderte sich das Verhältnis von dunklen und hellen Birkenspannern wieder, und heute sind die meisten Tiere in der Natur weiss!

Getarnt auf der Jagd

Gottesanbeterin auf einem Blatt

Die Gottesanbeterin wartet geduldig auf ihre Beute, gut getarnt zwischen Blättern. Bild: Alvesgaspar/Wikimedia Commons

Bei Raubtieren haben diejenigen Individuen, welche die meisten Beutetiere fangen, bessere Überlebenschancen. Sie sind gut ernährt und haben mehr Nachkommen. Während einige grosse Raubtiere auf Kraft und Geschwindigkeit setzen, bevorzugen andere die Lauerjagd. Sie verschmelzen mit der Umgebung und warten auf vorbeikommende Beutetiere. Auf diese Weise jagt zum Beispiel die Gottesanbeterin, eine Fangschrecke: Sie sitzt unbeweglich und gut getarnt zwischen Blättern und hält mit ihren grossen Augen in der Umgebung Ausschau. Wenn sich ein kleines Insekt nahe genug an sie heranwagt, weil es sie nicht gesehen hat, packt sie es mit ihren kräftigen Zangen und frisst es.

Erstellt: 19.10.2023
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