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Tsunami - Die Welle im Hafen

Fährschiff zwischen zerstörten Häusern in Japans Inland nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011

Ein grosses Fährschiff zwischen zerstörten Häusern in Japans Inland nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011. Bild: U.S. Navy, Lance Cpl. Garry Welch/Wikimedia Commons

Ein Tsunami ist eine riesige Flutwelle, die sich sehr schnell fortbewegt und durch ihre Masse eine unglaubliche Kraft hat.

Den Begriff Tsunami hast du vielleicht in Zusammenhang mit den Ereignissen im März 2011 kennengelernt. Damals traf ein riesiger Tsunami, ausgelöst durch das stärkste je gemessene Beben in Japan, auf die japanische Küste und überschwemmte unter anderem das Gebiet des Atomkraftwerks Fukushima. Der Tsunami erreichte Küsten im gesamten Pazifischen Raum von Russland bis Kalifornien, von Chile bis Neuseeland.

Eine riesige Welle

Die meisten Tsunamis entstehen, wie auch der Tsunami von 2011, durch ein Erdbeben. Nicht jedes Seebeben löst aber einen Tsunami aus. Verschiedene Faktoren wie die Stärke des Bebens und die Tiefe, in der es sich ereignet, spielen eine Rolle. Ein Beben muss nahe der Meeresbodenoberfläche stattfinden und der Meeresboden muss dabei plötzlich nach oben verschoben werden. Dadurch werden auch die Wassermassen schnell verschoben. Es entsteht eine Welle, welche die gesamten Wassermassen vom Meeresboden bis zur Oberfläche in Bewegung setzt und sich in alle Richtungen ausbreitet (so wie die Wellen, wenn du einen Stein ins Wasser fallen lässt).

Die Entstehung eines Tsunamis. Bild (übersetzt von): U.S. Geological Survey/Wikimedia Commons

Tsunamiwellen können sich je nach Tiefe des Wassers mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern pro Stunde ausbreiten - das ist so schnell wie die Reisegeschwindigkeit eines Flugzeugs. Eine Tsunamiwelle kann die Strecke von Portugal bis North Carolina (USA Ostküste) in etwa 8.5 Stunden zurücklegen! Tsunamiwellen können sich über tausende Kilometer ausbreiten ohne schwächer zu werden.

Auf dem Meer unbemerkt

Befindet man sich auf einem Boot im Meer, wird man eine Tsunamiwelle kaum bemerken, da die verschobenen Wassermassen den Wasserspiegel kaum merklich anheben. Erst wenn die Wassermassen in Landesnähe kommen und das Meer flacher wird, baut sich eine verheerende Welle auf.

Dieser Tatsache verdankt der Tsunami auch seinen Namen. Japanische Fischer hatten in ihren Booten auf dem Meer keine Welle bemerkt. Als sie in den Hafen einliefen, fanden sie den Hafen vollkommen zerstört vor. "Tsunami" kommt aus dem japanischen und bedeutet "Hafenwelle". Das Wort "tsu" bedeutet Hafen und "nami" bedeutet Welle.

Beim Auftreffen auf die Küste wird die Welle höher; die Wellenlänge und Geschwindigkeit des Tsunamis nehmen ab. Klicke auf die Lupe, um die Animation zu sehen. Bild: Regis Lachaume/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Was passiert in Küstennähe?

Trifft die Tsunamiwelle auf Land, wird die Welle abgebremst und die Wassermassen stauen sich. Dadurch steigt die Höhe der Welle enorm an. Der Tsunami in Japan soll eine Höhe von 16 Metern (lokal bis 38 Metern) erreicht haben.

Bei manchen Tsunamis erreicht zuerst ein Wellental statt einem Wellenkamm die Küste. So zieht sich zunächst Wasser von der Küste mehrere hundert Meter zurück, bevor die Wassermassen mit voller Wucht auf die Küste treffen. Das gibt den Menschen, die sich in der Region aufhalten und die Zeichen richtig deuten, etwas Zeit, um sich auf höher gelegenes Gelände zu retten.

Tsunamis können auch durch Vulkanausbrüche, grosse Meteoriteneinschläge und massive Erdrutsche ausgelöst werden. Dennoch sind Tsunamis eine recht seltene Erscheinung.

Tsunamis in der Schweiz?

Im Jahre 1601 soll es auch im Vierwaldstättersee in der Schweiz einen Tsunami gegeben haben. Ein Erdbeben löste mehrere Erdrutsche unterhalb der Seeoberfläche aus. Dies setzte grosse Wassermassen in Bewegung und eine Welle von bis zu 4 Metern Höhe soll das Ufer erreicht haben. Zeitweise soll die Reuss bei Luzern vollkommen trocken gelegen haben. Ein historischer Bericht aus dem Jahre 1601 beschreibt die Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis. Mehr Informationen dazu findest du im Luzerner Staatsarchiv.

Erstellt: 22.05.2015

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