Das Bienensterben – Ursachen und Folgen

Seit einigen Jahren beobachtet man weltweit ein mysteriöses Bienensterben – Milliarden von Honigbienen verschwinden, mit schwerwiegenden Folgen für Natur und Wirtschaft. Denn nach Rindern und Schweinen sind Honigbienen unsere drittwichtigsten Nutztiere. Sie stellen Honig her und sorgen als Bestäuber dafür, dass die Pflanzen Früchte tragen.

Biene auf Blüte

Die nur 2 Millimeter grosse Varroamilbe befällt sowohl Larven als auch erwachsene Honigbienen und saugt ihnen die Hämolymphe aus. Bild: Jacopo Werther/WIkimedia Commons, CC-Lizenz

Bienen besuchen mehrere Blüten, um Pollen oder Nektar zu sammeln und bestäuben dabei die Blüten. Bild: gorillaimages/Shutterstock.com

Bienen sind die wichtigsten Bestäuber – dank ihnen tragen Pflanzen Früchte

Albert Einstein soll einst gesagt haben: „Wenn die Bienen sterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen“. Ob das Zitat wirklich von Einstein stammt, ist ungewiss, doch Tatsache ist, dass ein grosser Teil unserer Nahrung von den Bienen abhängt. Denn Bienen sind die wichtigsten Bestäuber von Blütenpflanzen, und ohne Bestäubung bilden die Pflanzen keine Früchte. Mehr Infos zur Befruchtung von Pflanzen findest du Im Artikel über die Bestäubung.

Neben den Bienen dienen zwar auch andere Tiere (zum Beispiel Hummeln) als Bestäuber, und einige Pflanzen (wie Reis oder Gerste) überlassen den Transport der Pollenkörner sogar dem Wind. Doch die Honigbienen sind hauptverantwortlich dafür, dass die Pflanzen Früchte tragen. Jeden dritten Bissen auf unserem Teller verdanken wir den fleissigen Insekten, ohne die es keine Äpfel, Gurken und Futterklee geben würde.

Die Bienengesundheit ist bedroht - auch in der Schweiz

Seit einigen Jahren sind die Honigbienenvölker in vielen Ländern von einem erst teilweise verstandenen Bienensterben betroffen. Im Frühling 2007 berichteten Imker aus Nordamerika, dass sie 30-90% ihrer Bienenkolonien verloren hätten. Für Imker ist es normal, dass ein Teil ihrer Bienenvölker den Winter nicht überlebt. Jedoch sind dies normalerweise 15-25% des Volkes, und nun waren es plötzlich mehr als die Hälfte. Auch in anderen Teilen der Welt werden Völkerverluste beobachtet. In der Schweiz haben etwa die Hälfte aller Bienenvölker den Winter 2011/12 nicht überlebt - der warme Frühling hatte die Ausbreitung von Krankheiten gefördert, und die Völker geschwächt. Dagegen sind im harten Winter 2012/13 nur etwa 15% der Bienenvölker in der Schweiz eingegangen, dies liegt unter dem üblichen Wert.

Ist eine Milbe schuld am Massensterben?

Als eine der Hauptursachen für das Massensterben der Bienen gilt eine kleine Milbe namens Varroa destructor. Der ursprünglich aus Asien kommende, 1-2 mm grosse Parasit befällt Bienenvölker auf allen Kontinenten ausser Australien – dorthin hat es der kleine Blutsauger noch nicht geschafft. Die Varroamilbe klammert sich sowohl an Bienenlarven als auch an erwachsene Honigbienen, ernährt sich von deren Hämolymphe und schwächt sie dadurch. Zudem kann sie weitere Krankheitsverursacher – vor allem Viren – übertragen, die den Bienen zu schaffen machen. Neben den Varroamilben gibt es noch zahlreiche andere Parasiten, die die Honigbienen befallen. Ein einzelliger Pilz der Gattung Nosema etwa, der bei erwachsenen Bienen eine Art tödlichen „Durchfall“ auslöst und hochansteckend ist.

Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge können auch Bienen beeinträchtigen

Viel diskutiert wird im Moment darüber, ob die Bienengesundheit auch durch den Gebrauch von bestimmten Pflanzenschutzmitteln belastet wird. Diese werden verwendet, um Schädlinge zu kontrollieren, doch sie können auch für die bestäubenden Bienen schädlich sein. Wissenschaftler haben die Zusammensetzung von Pollen und Bienenhonig untersucht und dabei Spuren von bis zu 170 verschiedenen Umwelt-Chemikalien gefunden. Vor allem Wirkstoffe, die zu der chemischen Gruppe der „Neonicotinoide“ gehören und Nervengifte für Insekten sind, können bei unsachgemässer Anwendung den Bienen schaden. Diese Pflanzenschutzmittel wirken auf den Orientierungssinn der Honigbienen ein, so dass diese nicht mehr zu ihrem Stock zurückfinden. Es ist daher wichtig, dass sich die Bauern an die strengen Anwendungs-Vorschriften für die Pflanzenschutzmittel halten, um die Bienen nicht zu schädigen.

Dass Rückstände dieser Pflanzenschutzmittel bei ihrem vorschriftsmässigen Einsatz in der Landwirtschaft allerdings den Verlust von ganzen Bienenvölkern bewirken können, ist unwahrscheinlich: weder in Feldversuchen noch in der Praxis konnte ein direkter Zusammenhang zwischen Bienensterben und Pflanzenschutzmitteln gezeigt werden. In Australien werden verbreitet Pflanzenschutzmittel eingesetzt, ohne dass es dort Anzeichen für ein Bienensterben gibt - dort fehlt die Varroa-Milbe als wichtiger Krankheitserreger der Bienenvölker.

Wunderschön im Frühling, aber eine Bedrohung für die Artenvielfalt. Mandelbaumplantage. Bild: MilaCroft/Shutterstock.com

Aus wildlebenden Bienenvölkern wurden „Massenbestäubungs-maschinen“

Auch Stress spielt eine Rolle im Massensterben der Bienen. Unsere Landwirtschaft wird nämlich immer intensiver betrieben, um möglichst viel Ertrag zu erhalten. Das bedeutet, dass viele Landwirte auf grosse Monokulturen setzen, also auf riesige Plantagen, die aus nur einer Pflanzenart bestehen (z.B. Mandelbaumplantagen in den USA). Diese Umgebung ist für viele Lebewesen zu „eintönig“, und es leben dort kaum natürlich vorkommende Bestäuber. Darum gibt es vor allem in den USA Imker, die ihre Bienenvölker auf Lastwagen verladen und mit ihnen Hunderte von Kilometern zurücklegen, von Monokultur zu Monokultur. Am Zielort angekommen, werden die Bienen freigelassen, um die Blüten zu bestäuben. Haben sie ihre Arbeit erledigt, werden die Völker zum nächsten „Arbeitsort“ gebracht. Der ganze Vorgang bedeutet viel Stress für die Honigbienen, und oft sterben ganze Völker während des Transports. Ausserdem ist diese Art von Ernährung für die Bienen sehr einseitig. Zusammen mit dem Stress führt dies dazu, dass die Insekten anfälliger für Krankheiten werden.

Ein Zusammenspiel vieler Faktoren

Zusammengefasst vermuten Wissenschaftler, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Ursachen (Krankheitserreger, Umweltchemikalien und Stress) zum Massensterben der Honigbienen führen kann. Doch wie genau diese Faktoren zusammenspielen und was man dagegen tun kann, ist noch unklar und wird intensiv untersucht. Sicher ist, dass wir Menschen die Honigbienen zu Nutztieren herangezüchtet haben, die ohne Medikamente von uns nicht mehr überleben können. Falls die Honigbienen aussterben würden, könnten etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel ausfallen. Ausserdem würde das zu einem riesigen wirtschaftlichen Verlust führen: 2005 wurden die weltweiten „Kosten“ für die Bestäubung auf 153 Milliarden Euro geschätzt. Was für Auswirkungen ein plötzliches Aussterben der Bienen auf das gesamte Ökosystem haben würde, kann man nicht voraussehen. Sicher ist, dass es ohne Bienen keine Artenvielfalt mehr gäbe, keine farbig leuchtenden und fein duftenden Blüten. Das Aussterben der Bienen würde eine gewaltige Lücke auf unserem Planeten hinterlassen.

Bienen bedeuten mehr als nur Honig

Im Jahr 2012 hat der Schweizer Regisseur Markus Imhoof einen faszinierenden, aber auch alarmierenden Dokumentarfilm über das Leben der Bienen und das Bienensterben gedreht: „More than Honey“ geht dem Umgang mit Bienenvölkern und dessen Massensterben auf der ganzen Welt nach. Der Film zeigt die Arbeit mit Bienen aus verschiedenen Perspektiven: vom Bergimker über australische Bienenforscher bis hin zu chinesischen Arbeitern, die mangels Bienen die Bestäubung von Hand erledigen. Der Regisseur, dessen Tochter in Australien als Bienenforscherin tätig ist, kommt zum Schluss, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Ursachen (Krankheitserreger, falsche Anwendung von Umweltchemikalien, Hunger und Stress) zum Massensterben der Honigbienen führen kann. Sehr sehenswert!

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igbiene@gmail.com schrieb:

Super Artikel. Wer hier bei uns in der Schweiz den Kampf gegen das Bienensterben unterstützen möchte, kann eine Patenschaft für ein Bienenvolk übernehmen. Unter www.igbiene.ch gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Patenschaft.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!