Wenn Augen übers Kreuz schauen

Das schielende Opossum Heidi aus dem Zoo in Leipzig hat es europaweit in die Medien geschafft, bevor es Ende September 2011 aus Altersgründen eingeschläfert werden musste. Im Gegensatz zu so einem herzigen Tierchen finden wir jedoch bei Menschen einen deutlichen Silberblick eher befremdlich als lustig. Wie kommt es denn überhaupt zum Schielen?

Opossum Heidi aus dem Zoo in Leipzig

Opossum Heidi aus dem Zoo in Leipzig hat auch Comiczeichner zu Illustrationen angeregt. Bild: dedoma/Shutterstock.com

Normalerweise schauen immer beide Augen miteinander in die gleiche Richtung. Bei jeder 20. Person sind die Augenmuskeln aber unterschiedlich stark ausgebildet, und es kommt zu einer Fehlstellung der beiden Augen zueinander. Wenn nicht beide Augen gleichzeitig ein Objekt betrachten, kann es zu Störungen im Tiefensehen kommen.

Es gibt viele verschiedene Arten von Schielen, die unterschiedlich behandelt werden

Beim sichtbaren Schielen weicht die Blickrichtung des einen Auges konstant von der Blickrichtung des anderen Auges ab. Wenn das Schielen so klein ist, dass man es als Laie nicht sieht, so nennt man es Mikroschielen. Bei Kindern ist Mikroschielen gefährlich, weil es oft erst spät entdeckt wird und Sehbehinderungen zurück bleiben können.

Das „versteckte“ Schielen kommt erst zum Vorschein, wenn die Zusammenarbeit beider Augen unterbrochen wird, wenn zum Beispiel ein Auge abgedeckt wird oder beim Schlafen. Sobald beide Augen zusammen arbeiten, fixieren sie aber sofort wieder den gleichen Punkt, und das Schielen verschwindet. Bei den meisten Menschen mit verstecktem Schielen kommt es nicht zu Sehproblemen. Bei einigen ist die Fehlstellung der Augen aber so stark, dass es viel Mühe kostet, das Schielen zu kompensieren. In diesen Fällen kann es zu starken Kopf-, Augenschmerzen, Verschwommensehen oder Doppeltsehen kommen.

Zum Schielen kann es aber auch im Erwachsenenalter kommen. Beim Lähmungsschielen funktioniert der Augenmuskel nicht mehr. Das Lähmungsschielen kann bei älteren Menschen mit hohem Blutdruck, Zuckerkrankheit oder nach Hirninfarkten auftreten.

In der Augenschule wird richtiges Sehen trainiert

Schielende Kinder erhalten häufig nicht nur eine Brille, sondern auch noch eine „Augenklappe“ für das stärkere Auge

Schielende Kinder erhalten häufig nicht nur eine Brille, sondern auch noch eine „Augenklappe“ für das stärkere Auge. Dies trainiert das schwächere Auge. Bild: Dr. Ausbüttel & Co. GmbH/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Schielen wird je nach Schielart auf verschiedene Art behandelt. Starkes sichtbares Schielen kann operiert werden. Dabei wird der Augenmuskel so versetzt, dass die Augen wieder parallel schauen. Andere leichtere Arten von Schielen bei Kindern können in der Augenschule behandelt werden. Ein Orthoptist ist speziell für die Behandlung von Schielen ausgebildet und betreut zusammen mit dem Augenarzt schielende Patienten.

Bei schielenden Kindern wird das bessere Auge oft abgedeckt, um das schwächere durch Training zu fördern. Die Schieltherapie dauert etwa bis zum 11. Lebensjahr. Danach wird das gelernte Geradesehen nicht mehr verlernt, und das Schielen ist geheilt.

Schielende Tiere

Übrigens: Beim Opossum Heidi im Zoo Leipzig war man sich nicht ganz sicher, warum seine Augen so schief standen, doch als Grund vermutet man eine übermässige Ansammlung von Fettgewebe hinter den Augäpfeln.

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