Michael Lehmann hat einen schweizweit einzigartigen Studiengang mitbegründet. Als Mediziner weiss er, wo es im Schweizer Gesundheitswesen hakt. Neben steigenden Kosten und fehlenden Fachkräften bremst vor allem die Datenfragmentierung effiziente Abläufe. Weil Gesundheitsdaten über verschiedene Systeme verstreut sind, verbringt das medizinische Personal wertvolle Zeit damit, notwendige Informationen zusammenzusuchen.
Hier setzt die Informatik an. Sie kann Doppelspurigkeit beseitigen, Daten vernetzen und Ressourcen gezielter einsetzen. Doch dafür braucht es Fachkräfte, die nicht nur IT-Profis sind, sondern auch den Alltag in Spitälern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtung kennen und verstehen. “Solche Schnittstellentalente haben bei uns bisher gefehlt”, sagt Michael Lehmann.
Projekt Brönimann
Der Bachelor für Medizininformatik an der Berner Fachhochschule in Biel schliesst diese Lücke. Das Studium verbindet medizinisches Grundwissen mit Informatik und Management. Ziel ist ein smartes Gesundheitswesen, in dem der Mensch im Zentrum steht: “Vielleicht ist das ein Grund für unseren hohen Frauenanteil”, sagt Michael Lehmann: “Für Studentinnen ist Technik kein Selbstzweck – sie wollen damit etwas bewirken.”
Wie sich der Datenaustausch zwischen Arztpraxis, Spital, Spitex, Apotheke und Pflegeeinrichtungen konkret verbessern lässt, testen die Studierenden im Living-Lab. Dort lebt auch die virtuelle “Frau Brönimann”, eine bereits etwas gebrechliche ältere Frau. An ihrem Beispiel entwickeln die angehenden Medizininformatiker:innen innovative Anwendungen – etwa Sensoren, Apps, Robotik oder Cloud-Lösungen –, die der alten Dame helfen können, möglichst lange selbstbestimmt zu Hause zu leben.
