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Chromosom 22: Die rätselhafte Grösse des Genoms

Das menschliche Genom umfasst etwa 21'000 Gene. Bild: CanStockPhoto

Erstaunlicherweise sind nur zwei Prozent des menschlichen Erbguts tatsächlich funktionierende Gene. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welche Funktionen das restliche Erbgut ausübt, der so genannte nichtcodierende Bereich.

Im Jahr 2001 wurden die Ergebnisse des Human-Genom-Projekts (HGP) veröffentlicht, einer Kollaboration von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt. Ihnen war es gelungen, das komplette Genom eines Menschen zu sequenzieren. Das erste Chromosom, welches in diesem Projekt sequenziert wurde, war das Chromosom 22. Es ist nach Chromosom 21 das zweitkleinste Chromosom des Menschen. Dabei fand man Erstaunliches heraus: Nur 2 % des menschlichen Erbguts sind tatsächlich funktionierende Gene, das sind also ungefähr 21'000 Gene oder Proteinbaupläne. Man kann sich vorstellen, sie würden wie Schiffe auf einem riesigen Ozean aus DNA schwimmen.

Lange rätselten Wissenschaftler, welche Funktion der Rest des Erbguts hat, der so genannte nichtkodierende Bereich. Das Projekt ENCODE (The Encyclopedia of DNA Elements) hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Geheimnis unseres Erbguts zu lüften. Die ersten Resultate erschienen im September 2012: 80 % des menschlichen Erbguts spielen eine biologische Rolle. Der grösste Teil unseres Erbguts umfasst also keine eigentlichen Gene, ist aber für die Steuerung unserer Gene verantwortlich.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des ENCODE-Projektes war, dass jeder Zelltyp einen anderen Teil unseres Erbguts nutzt. In einer Hautzelle sind andere Gene aktiv als in einer Leberzelle, obwohl beide über das gleiche Erbgut verfügen.

Bis heute streiten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darüber, ob die restlichen 20 % unseres Erbguts eine noch unbekannte Funktion haben oder ob es sich hierbei um „Müll-DNA“ handelt, die sich im Laufe der Evolution angesammelt hat. Jedenfalls werden ausgerechnet diese DNA-Abschnitte, die keine Gene enthalten, gebraucht, um genetische Fingerabdrücke herzustellen.

Erstellt: 22.04.2018

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