Ein Protein ist ein Molekül, das aus langen Ketten von Aminosäuren besteht. Um seine Eigenschaften zu verändern, werden bestimmte Bausteine in dieser Kette so lange ausgetauscht, bis man die ideale Kombination für eine präzise Funktion erhält – etwa bei Körpertemperatur stabil zu bleiben, damit ein Medikament richtig wirkt. Um das zu erreichen, musste sich die Proteintechnik früher mühsam vorantasten und unzählige Kombinationen nacheinander ausprobieren. Das dauerte ewig und war teuer.
Cradle, ein Start-up mit Sitz in Zürich und Amsterdam, hilft Unternehmen, neue Proteine bis zu 12-mal schneller zu entwickeln und dabei viel Geld zu sparen. "Wir haben KI-Modelle geschaffen, die quasi die Sprache der Proteine sprechen und auf Abruf passende Veränderungen vorschlagen", erklärt Constance Ferragu. Die junge Machine-Learning- Ingenieurin entwirft diese intelligenten Algorithmen, testet und optimiert sie gemeinsam mit einem Team von Biolog:innen.
Über den Umweg zum Ziel
Die Verbindung von Informatik und Biologie bringt ihre beiden Leidenschaften zusammen. Ihr ursprünglicher Plan war ein Medizinstudium: "Aber da muss man einfach zu viel auswendig lernen", sagt Constance lachend. Da ihr Herz schon immer für Mathematik schlug, studierte sie dieses Fach an der École polytechnique in Paris. Danach zog es sie an die Princeton University in den USA, wo sie einen Master in Informatik abschloss. Dort entdeckte sie auch das enorme Potenzial der KI in der Medizin. Ein Praktikum bei Cradle bestätigte sie in diesem Weg: "Ich bin nie wieder weggegangen."
