Tiere & Pflanzen

Erstaunliche Achtbeiner

Eine Kreuzspinne in ihrem Radnetz. Bild: Filip - stock.adobe.com

Man bringt sie mit dunklen Kellerecken und verlassenen Räumen in Verbindung, sie huschen lautlos über Wände und tauchen gern genau dann auf, wenn man sie gerade nicht erwartet: Spinnen. Viele Menschen finden sie ein bisschen unheimlich oder gruseln sich vor ihnen. Kein Wunder, dass die Krabbeltiere und ihre Netze zur Standard-Halloweendekoration gehören!

Doch auch die lebendigen Spinnen wären einen genaueren Blick wert. Sie können Netze bauen, die stärker sind als Stahl und überwältigen mit verschiedenen Tricks Beute, die viel grösser ist als sie selbst.

Achtbeiner sind keine Insekten

Halloween-Windlichter mit Spinnen-Dekoration

Zur Dekoration für Halloween gehören Spinnen einfach dazu. Aber warum eigentlich? Bild: Mark Breck - stock.adobe.com

Spinnen begegnen uns fast überall: im Keller, im Garten, im Wald … oder manchmal sogar im Schlafzimmer. Dabei werden sie häufig mit Insekten verwechselt, doch sie gehören in Wirklichkeit zu einer anderen Tiergruppe, zusammen mit Skorpionen oder auch den winzigen Milben. Der auffälligste Unterschied: Insekten haben sechs Beine, Spinnen dagegen acht. Ausserdem besteht der Körper einer Spinne aus zwei Hauptabschnitten, während Insekten drei Körperabschnitte besitzen. Spinnen haben auch keine Flügel und keine Fühler. Stattdessen haben fast alle von ihnen acht Augen, und viele Arten verfügen über sogenannte Spinnwarzen, mit denen sie ihre berühmten Seidenfäden herstellen.

Weltweit gibt es zehntausende bekannte Spinnenarten – und vermutlich viele weitere, die bisher gar nicht entdeckt wurden. Sie unterscheiden sich stark in Grösse, Lebensweise und Verhalten: Von winzigen Spinnen, die kaum grösser als ein Stecknadelkopf sind, bis zu riesigen Vogelspinnen ist alles dabei.

Warum bauen Spinnen Netze?

Trichterförmiges Spinnennetz auf einer Wiese

Nicht jedes Spinnennetz ist ein Radnetz. Trichterspinnen bauen sich Wohnhöhlen aus Spinnfäden, in denen sie ihrer Beute auflauern. Bild: Saharadesertfox/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wenn man an Spinnen denkt, kommt einem wahrscheinlich sofort ein Spinnennetz in den Sinn. Doch nicht jede Spinne baut überhaupt eines, und selbst bei Netzbauern sehen die Netze ganz unterschiedlich aus. Manche sind kunstvoll spiralförmig, andere erinnern eher an ein wirres Durcheinander aus Fäden.

Die meisten Spinnen nutzen ihre Netze als Falle für Beutetiere. Fliegt oder krabbelt ein Insekt hinein, gerät es in den klebrigen Fäden. Die Spinne kann die Bewegungen ihrer Beute über die Schwingungen des Netzes wahrnehmen. Sie muss also nicht unbedingt gut sehen können, um zu wissen, dass ihr gerade ein Frühstück buchstäblich auf den Leim gegangen ist.

Die Spinnenseide selbst ist ein echtes Meisterwerk der Natur. Sie ist extrem leicht und gleichzeitig sehr stabil. Je nach Art kann eine Spinne unterschiedliche Fäden herstellen: Manche dienen als Fangnetz, andere zum Einwickeln der Beute oder zum Bau von Verstecken. Einige Spinnen nutzen ihre Fäden sogar, um sich durch die Luft tragen zu lassen. Auch für Forschende ist Spinnenseide interessant; sie wird untersucht, weil sie gleichzeitig leicht, elastisch und belastbar ist. Die Natur liefert damit ein Material, von dem sich Wissenschaft und Technik einiges abschauen können.

Das Radnetz: Ein Kunstwerk!

Die Kreuzspinne webt ihr charakteristisches Radnetz nach einem ganz bestimmten, festgelegten Muster. Erst lässt sie einen Faden mit dem Wind wehen, bis er an einem geeigneten Ort hängen bleibt. Dann nutzt sie die entstehende Seilbrücke, um von der Mitte aus weitere Verankerungsfäden aus zu spinnen. Sie fügt Speichen hinzu und stabilisiert das Netz mit einer ersten Hilfsspirale, bevor sie schliesslich eine dichte Spirale aus klebrigem Faden produziert. 

Wusstest du, dass eine weibliche Kreuzspinne sieben verschiedene Spinndrüsen hat und damit sieben verschiedene Fadensorten herstellt? Sie produziert verschiedene Gerüst-, Sicherungs- und Klebefäden für ihr Radnetz, spinnt ihre Beute mit Seidenfäden ein und umhüllt die Kokons ihrer Eier mit Spinnseide.

Warum haben so viele Menschen Angst vor Spinnen?

Springspinne in Makro-Aufnahme

Eine Springspinne in extremer Nahaufnahme. Unheimlich – oder vielleicht doch irgendwie niedlich? Bild: Sebastian - stock.adobe.com

Obwohl die meisten Spinnen ungefährlich sind, lösen sie bei vielen Menschen Ekel oder Angst aus. Fachleute sprechen von „Arachnophobie“, wenn die Angst vor Spinnen besonders stark ausgeprägt ist. Doch warum reagieren wir überhaupt so empfindlich auf diese Tiere?

Eine mögliche Erklärung ist, dass Menschen auf bestimmte schnelle und unvorhersehbare Bewegungen besonders aufmerksam reagieren. Eine Spinne, die plötzlich über den Boden läuft, kann deshalb einen stärkeren Schreck auslösen als ein langsam krabbelnder Käfer.

Traube von jungen Kreuzspinnen

Babyspinnen! Als Jungtiere sehen sie den erwachsenen Kreuzspinnen noch nicht wirklich ähnlich. Bild: Gido/Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Auch Erfahrungen und Erzählungen spielen eine Rolle. Wer schon als Kind gelernt hat, dass Spinnen „eklig“ oder „gefährlich“ sind, reagiert möglicherweise später ebenfalls ängstlich. Doch normalerweise ist es die Spinne, die vor uns davonrennt, und nur sehr wenige bei uns heimische Arten könnten mit einem Biss überhaupt unsere Haut durchdringen. Ihre eigentliche Beute sind Insekten, die sie entweder in ihren Netzen fangen oder als Lauerjäger überraschen und nach einem Biss aussaugen.

Wer also das nächste Mal eine Spinne in der Wohnung entdeckt, muss nicht gleich panisch werden. Ein Glas, ein Stück Papier und ein kurzer Weg nach draussen reichen meistens aus, um das Tier sicher ins Freie zu bringen. Spinnen sind zwar nicht die kuscheligsten Tiere der Welt, aber für ihre Jagd und Spinnkünste und ihre wichtige Rolle im Ökosystem haben sie Respekt verdient. Ein Spinnennetz im Morgentau ist ein kleines Meisterwerk der Natur. Vielleicht lässt du dich inspirieren und knüpfst eines für Halloween?

Erstellt: 22.10.2026
Mehr