Zahlen & Geschichte

Rosalind Franklin – Die Frau hinter der Aufklärung der DNA-Struktur

Rosalind Franklin. Bild: CSHL/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Rosalind Franklin widmete ihr Leben der Forschung. Heute ist sie vor allem als die Frau hinter der Strukturaufklärung der DNA bekannt. Wegen ihres frühen Todes konnte sie den Nobelpreis für diese Arbeit aber nie entgegennehmen. 

Die Weichen werden gestellt

Rosalind Franklin wurde am 25. Juli 1920 in London in einer angesehenen jüdischen Familie geboren. Bereits mit sechs Jahren wurde die junge Rosalind von ihrer Tante folgendermassen beschrieben: „Rosalind ist erschreckend schlau, aus reinem Vergnügen verbringt sie ihre ganze Zeit mit Arithmetik und ihre Rechnungen stimmen immer.“ Die Eltern von Rosalind wollten ihr eine gute Ausbildung ermöglichen und ihre Fähigkeiten fördern. So besuchte Rosalind verschiedene Privatschulen, unter anderm die St.-Paul’s-Mädchenschule, in die sie im Alter von 11 Jahren eintrat. Die Schule war bekannt für ausgezeichneten naturwissenschaftlichen Unterricht, und ihre Leiterin setzte sich sehr dafür ein, dass Frauen auch ausserhalb des Haushalts tätig sein konnten.

Rosalind interessierte sich vor allem für Chemie, Physik und Mathematik. Schon im Alter von 17 Jahren wurde sie in das Frauencollege Newnham der britischen Universität Cambridge aufgenommen, wo sie ihr Studium der Naturwissenschaften 1941 abschloss.

Franklins Kohle-Forschung im 2. Weltkrieg

Franklins jüdische Familie engagierte sich während des 2. Weltkriegs für die Flüchtlinge, die vor dem deutschen Nazi-Regime aus Europa flohen. Sie selbst widmete sogar ihre Forschungsarbeit einem kriegsrelevanten Thema: Sie erforschte die Mikrostruktur von Kohle und wie diese am effizientesten genutzt werden kann. 

Im Jahr 1941 begann sie an der Universität Cambridge eine Promotion zu diesem Thema, doch da ihr Doktorvater wenig Begeisterung dafür zeigte, verliess sie das Labor und setzte ihre Forschungen 1942 bei der British Coal Utilisation Research Association fort. Die Universität Cambridge verlieh ihr dennoch 1945 auf der Grundlage ihrer Arbeiten den Doktortitel; diese Arbeiten waren zudem Gegenstand mehrerer Veröffentlichungen. Nach dem Doktorat zog Franklin nach Paris und vertiefte sich in die Röntgenkristallographie.

Die Arbeit mit der DNA beginnt

1951 wurde Franklin eine Forschungsstelle in der Abteilung Biophysik am King’s College London angeboten. 

Da sie die einzige Person mit Erfahrung in der Röntgenbeugung war, wurde sie vom Laborleiter der Bestimmung der DNA-Struktur zugewiesen, um zusammen mit dem Forscher Maurice Wilkins dessen vielversprechende Arbeiten fortzusetzen. Er beauftragte zudem Raymond Gosling, einen Doktoranden, der bis dahin von Maurice Wilkins betreut worden war, Franklin bei ihren Forschungen zu unterstützen. 

Zum damaligen Zeitpunkt war zwar die Existenz von DNA bekannt, nicht aber, wie sie aufgebaut ist. Dies zu erforschen war nun Franklins und Wilkins gemeinsame Aufgabe. Die beiden hegten keine grossen Sympathien füreinander und versuchten sich aus dem Weg zu gehen. Dies beruhte zum Teil darauf, dass Wilkins Franklin nicht als ebenbürtige Forscherin akzeptieren wollte, sondern sie wie eine Assistentin behandelte. 

Zur gleichen Zeit arbeiteten an der Cambridge Universität zwei weitere Forscher an der Strukturaufklärung der DNA: James Watson und Francis Crick. Sie sollten schon bald von Franklins Eifer und Erfolg in der Röntgenkristallographie profitieren.

Ein mysteriöses Bild mit der Nummer 51

Franklin machte zusammen mit dem Doktoranden Gosling grosse Fortschritte in der röntgenografischen Untersuchung der DNA und somit in der Strukturaufklärung der DNA. Das berühmte Röntgenbild 51 der DNA entstand. Darauf sind dunkle Flecken zu erkennen, die ein X formen, das von einer erfahrenen Kristallografin als Spiralform (oder „Helix“) gedeutet werden konnte. Ohne Franklins Wissen teilte Wilkins diese Entdeckung Watson und Crick mit. Wilkins’ Erklärungen, dass die DNA eine Doppelhelix-Struktur besitze, füllte bei Watson und Crick eine Wissenslücke. Die Information erlaubte ihnen, ihr theoretisches Model der DNA-Struktur zu vervollständigen und zu veröffentlichen. Die Leiter der beiden Labore sprachen sich ab, so dass Franklin und Wilkins die Ergebnisse ihrer experimentellen Forschungen in derselben Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlichen und damit dieses Modell bestätigen konnten.

Die Zeit nach dem Kings College und Franklins früher Tod

Franklin kehrte dem ungeliebten King’s College bald den Rücken. Sie wechselte zum Birkbeck College und beschäftigte sich mit der Mikrostruktur von Kohle und der Erforschung des Tabakmosaikvirus. Auch in diesen Forschungsfeldern war sie erfolgreich und sie wurde nun endlich als hervorragende Wissenschaftlerin wahrgenommen. Franklin starb am 16. April 1958 an Eierstockkrebs. Watson, Crick und Wilkins erhielten 1962 den Nobelpreis für die Aufklärung der DNA-Struktur, woran Franklin einen bedeutenden Anteil gehabt hatte.

Eine schwierige Karriere als Frau

Zu Franklins Lebzeiten fanden an der Universität und insbesondere in den Naturwissenschaften Studentinnen und Dozentinnen weniger Anerkennung als ihre männlichen Kollegen und sie wurden offen diskriminiert. Privat wurde Franklin als fröhlich und umgänglich beschrieben, doch beruflich zeigte sie sich auch schroff und ungeduldig. Dies, zusammen mit der allgemeinen skeptischen Haltung gegenüber Frauen in den Naturwissenschaften und Franklins Verzicht auf eine eigene Familie, trug dazu bei, dass Franklin in ihrer Karriere mit mangelnder Akzeptanz zu kämpfen hatte. Lange Zeit herrschte ein negatives Bild von Franklin, vor allem aufgrund von Watsons Schilderung in seinem Buch „Die Doppelhelix“, welches 1969 veröffentlicht wurde. Obwohl Franklin mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, liess sie sich nicht von ihrer Forschung ablenken. Franklins Ansehen ist inzwischen wiederhergestellt worden. Crick selbst hat nach Franklins Tod eingestanden, dass die Strukturaufklärung der DNA ohne ihren Beitrag nicht möglich gewesen wäre.

Julie des Jardins hat in einem Buch die Geschichten von Frauen zusammengefasst, die um ihre Anerkennung in der Wissenschaft kämpfen mussten. Falls du mehr über diese bedeutenden Frauen wissen möchtest:

Julie des Jardins: The Madame Curie Complex. The hidden history of women in science.

Zuletzt geändert: 28.04.2026
Erstellt: 09.04.2013
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