Zellen & Moleküle

Joghurt, Essig, Kombucha: Bakterien machen sich nützlich

Hausgemachte fermentierte Getränke. Bild: p-fotography - stock.adobe.com

Seit Jahrtausenden gehören Produkte wie Joghurt und Essig zum Speisezettel des Menschen. Bei ihrer Herstellung helfen uns winzige, einzellige Lebewesen. Und manchmal entstehen aus solchen alten Traditionen neue Trendgetränke, zum Beispiel Kombucha!

Wenn du das Wort „Bakterien“ hörst, denkst du vielleicht zuerst an Krankheiten. Aber einige Bakterien sind dem Menschen schon seit Jahrtausenden höchst nützlich, und auch du profitierst möglicherweise jeden Tag von ihnen: Joghurt, Käse und Essig, aber auch Cornichons und Salami bekommen ihren Geschmack und ihre Textur (also wie flüssig, cremig oder schnittfest sie sind) durch Bakterien. Hefe gehört ebenfalls zu den Mikroorganismen und ist unverzichtbar beim Brotbacken und auch zur Herstellung von alkoholischen Getränken.

Winzige Lebewesen mit grosser Wirkung

Kefir

Anders als beim Joghurt sind bei der Produktion von Kefir nicht nur Milchsäurebakterien, sondern auch Hefen beteiligt. Bild: Madeleine Steinbach - stock.adobe.com

Die Einzeller tun dabei dasselbe, wie andere Lebewesen auch: Sie nutzen energiereiche Stoffe, um sich am Leben zu erhalten, um zu wachsen und sich zu vermehren. Dabei wandeln sie ihre Nahrung um und scheiden andere Stoffe aus. Milchsäurebakterien ernähren sich zum Beispiel von Milchzucker und wandeln ihn in Milchsäure um, die Joghurt den säuerlichen Geschmack gibt. Wenn Hefen sich von Zucker ernähren, entsteht dabei meist Alkohol, beispielsweise beim Bier, und oft auch Kohlensäure. 

Diesen Prozess nennt man Fermentation. Oft arbeiten verschiedene Arten von Mikroorganismen beim Abbau und der Umwandlung von Stoffen zusammen; sie leben bevorzugt gemeinsam in einer Kultur, da sie durch die „Zusammenarbeit“ besonders gute Wachstumsbedingungen haben. In diesen Kulturen entstehen nicht nur Säure und Alkohol, wodurch ein Lebensmittel oder Getränk länger haltbar wird, sondern auch eine Vielzahl unterschiedlicher Aromen.

Ein Team für die Tee-Fermentation

Ginger Beer

Hausgemachter Ansatz von Ginger Beer oder Ingwerbier. Bild: Ildi - stock.adobe.com

Ginger Beer, übersetzt Ingwerbier, gibt es im englischen Sprachraum schon seit 300 Jahren. Kombucha ist ein neueres fermentiertes Getränk; seine Ursprünge sind nicht ganz klar, doch es ist inzwischen so beliebt, dass man es in vielen Varianten kaufen kann. Die Grundlage ist gesüsster Schwarz- oder Grüntee. Die Kultur, die hier für die Fermentation sorgt, nennt man SCOBY – eine gallertartige Masse, die Hefen und Bakterien enthält. Der Name steht für Symbiotic Culture of Bacteria and Yeast, also eine „symbiotische Kultur aus Bakterien und Hefen“. Symbiotisch bedeutet, dass die Mikroorganismen zusammenleben und dadurch besser wachsen. Im Fall des Kombuchas heisst das: Die Hefen stellen aus dem Zucker Kohlensäure und Alkohol her, die Bakterien brauchen diesen wiederum, um Milchsäure und Essigsäure zu bilden. Je länger der Tee fermentiert, desto weniger Zucker enthält er und desto säuerlicher schmeckt er, und durch die Kohlensäure beginnt er ganz leicht zu sprudeln.

Wie du Kombucha selbst herstellst, erfährst du in unserem Experiment Kombucha: Teamwork im Tee.

Kombucha-Kultur

Nahaufnahme einer Kombucha-Kultur; sie produziert Kohlendioxid, das sich in Blasen sammelt. Bild: Tatiana Sidorova - stock.adobe.com

Der Kombucha aus dem Supermarkt ist normalerweise pasteurisiert, enthält also keine lebenden Hefen oder Bakterien mehr. Viele Menschen trinken ihn wegen seines frischen Geschmacks. Manche glauben aber auch, dass die lebenden Einzeller der SCOBY-Kultur besonders gesund sind; wenn man Kombucha selbst herstellt, kann man ihn also auch unpasteurisiert trinken. Allerdings lässt sich der Fermentationsprozess zuhause nicht vollständig kontrollieren, und je nach Jahreszeit und Aktivität der SCOBY-Kultur kann das fertige Getränk noch Spuren von Alkohol enthalten – ähnlich wie manches „alkoholfreie“ Bier oder ein Fruchtsaft, der spontan vergärt.

Ausprobieren? Aber sicher!

Wasserkefir

Die Wasserkefir-Kultur bildet kleine Körner. Bild: joanna wnuk - stock.adobe.com

Die Kulturen für die Herstellung von Kombucha, Kefir, Ingwerbier oder auch Essig kann man in Läden oder Online-Shops beziehen, die auf Tee oder Bio-Lebensmittel spezialisiert sind. Je nach Kultur bekommst du dann eine gallertartige, leicht glibbrige oder auch körnige Masse; beim Essig nennt man sie „Essigmutter“. Die Mikroorganismen bilden diese Masse als Schutz und Boden für ihre „Wohngemeinschaft“, da sie zusammen aktiver sind als wenn sie einzeln in der Flüssigkeit treiben würden.

Wenn du fermentierte Getränke selbst herstellen möchtest, musst du sauber und hygienisch arbeiten und dich an die Anleitung halten, damit sich nur die richtigen Mikroorganismen und keine unerwünschten Keime vermehren. Mit der richtigen Pflege wächst deine Kultur aber mit jeder Fermentation weiter und kann oft jahrelang eingesetzt werden. Wenn du sie eine Weile nicht brauchst, kannst du die Kultur mit etwas fermentierter Flüssigkeit im Kühlschrank aufbewahren.

Fermentierte Getränke aus aller Welt

Die meisten fermentierten Getränke sind alkoholhaltig. Einige enthalten jedoch bei korrekter Herstellung keinen oder nur sehr kleine Mengen Alkohol, so wie Kombucha. 

Kefir: Für traditionellen (Milch-)Kefir (ursprünglich aus dem Norden des Kaukasus-Gebirges) werden sogenannte Kefirkörner, in denen verschiedene Milchsäurebakterien und Hefen zusammenleben, zu Milch gegeben. So wird daraus ein leicht sprudelndes Getränk mit säuerlichem Geschmack.

Wasserkefir wird mit ähnlichen Kefirkörnern hergestellt, aber als Nahrung dienen den Mikroorganismen Zuckerwasser, Trockenfrüchte und Zitronenscheiben. 

Ginger Beer (seit dem 18. Jahrhundert in Grossbritannien bekannt) wurde ursprünglich mithilfe von Hefen und Bakterien aus Ingwer, Zucker und Wasser hergestellt. Die traditionelle Variante enthält kaum oder gar keinen Alkohol und schmeckt angenehm scharf.

Wasserkefir im Fermentationsglas. Bild: blackboard1965 - stock.adobe.com

Zuletzt geändert: 29.09.2026
Erstellt: 29.09.2026
Mehr